Tag: Leben× alle

Hitze in Templin und nicht nur die Pflanzen leiden

Freitagabend, mit dem Auto durch die Schorfheide. Versteckte Straßen in dichten Wäldern, in deren Schatten es kühler als in der Stadt ist. Dazwischen Wiesen und Felder, die teilweise aussehen, als wäre es bereits Ende August. Vereinzelte Kastanien haben schon braune Blätter, auch den Kiefern sieht man an: Nichts ist mehr so, wie es mal war. Die Temperaturen gehen bergauf, der Rest geht bergab.

Templin, am nördlichen Ende der Schorfheide, Fachwerkhäuser und Altstadtpflaster, Seen, kleine Fließe, Wälder und Wiesen, anderthalb Stunden von Berlin entfernt und es fühlt sich schon wie Urlaub an. Am Abend an der Stadtmauer entlang, über leere Straßen, ein heißer Wind weht einem ins Gesicht, plötzlich ist da Wasser und es wird kühler, fast angenehm.

Samstagmorgen, die Sonne brennt auf die Terrasse, die Klimaanlage läuft, das Appartement verlassen und gegen eine Wand laufen. Ein paar Schritte gehen und schon läuft einem das Wasser über die Stirn. Ein Handventilator und eine Flasche Wasser sind die Notrettungsausrüstung für den Tag. Man hüpft von Schatten zu Schatten, später sitzt man am Wasser und lässt die Beine drin baumeln. Ist nur eine kleine Abkühlung, bei 39 Grad Celsius im Schatten. Kuchen gegessen und Kaffee verschmäht, das will man nicht haben.

Später mit dem Bus übers Land, auf dem Asphalt spiegelt sich die heiße Luft, ein Hauch von Wüste und Fatamorgana. Ein paar Dörfer, eine schmale Straße, am Ende eine Scheune und ein See. Musik läuft, Menschen lachen, in der Scheune ist es noch heiß, draußen bleibt die Zeit stehen oder läuft rückwärts, Richtung Kindheit, Ferienlagergetümmel, alte Freunde, neue Geschichten.

Zum Abend hin Gewitterwolken überm See, aber es kühlt sich nicht ab, zieht vorbei, irgendwo donnert es, Wind kommt auf, drei Regentropfen auf der Haut, das war es dann aber auch schon. Mücken und Bremsen greifen an, aber auch das regt einen nicht mehr auf, am Ende eines Tages, der eine Schlacht gegen die Hitze war.

Abendsee mit dunklen Gewitterwolken, am Horizont leuchtet orangefarbener Sonnenuntergang, im Vordergrund Schilfgürtel am Ufer.

Am Sonntag dann Rückkehr in den Garten. Pflanzen hängen durch, nach zwei Tagen ohne Wasser und brennender Sonne. Verbrannte Blätter, da hätte Gießen wohl auch nicht viel geholfen. Sonnenschirme für Pflanzen, eine mögliche Lösung für die Zukunft? Welche Zukunft?

Das Wochenende war perfekt, die Hitze ist es nicht. Keine Ahnung, wie das in den nächsten Jahren aussehen noch ausgehen wird. Jedenfalls nicht schön. Für niemanden.

Gedanken zur Fahrt

Wie lange man wohl noch mit dem Auto fahren wird? Kurze Frage, die sich beim Einsteigen ins Fahrzeug stellte, schnell wieder abgetan, denn nun fahren wir ja mit dem Auto und nicht mit dem Zug.

Durch die Uckermark und Vorpommern, vorbei an Wäldern, Felder, kleinen Dörfern und eher ruhig wirkenden Städten. Hier und da wird gegen Windkraft und Solarenenergie protestiert. Was wollen die Menschen dann, fragt man sich. Kernkraft oder Gas oder Kohle, aber bitte nicht hier im Wald. Wegen der Natur! Irgendwas muss das ja triggern, irgendeine Angst, vor der Dunkelheit vielleicht. Ob die Reiche gerade diese Menschen mit ihrer eher vergangenheitsorientierten Politik erreichen will? Wohl eher nicht. Ein Aufkleber informiert: "Druschba" - für Frieden und Freundschaft mit Russland, Öl und Gas offensichtlich inbegriffen.

Es fühlt sich an, als würde hier niemand mehr erreicht, nur noch von der Alternative, die aber keine ist. Vielleicht sind das aber auch nur Vorurteile, ein bisschen zumindest, ich bin politisch angegriffen, wund und müde, komme aus der Großstadt und bin in vielerlei Hinsicht privilegiert. Ich möchte mir kein Urteil mehr über andere erlauben.

Nur noch ans Meer.

Abwechselnd Regen, Sonne, Wolken ziehen, Wellen brechen, aber sanft, kein Sturm in Sicht und keine Brecher, langgezogener Strand, hellgelb, in der Ferne die Hotels in Swinemünde, die Kaiserbäder in einem Versuch von mondän: Kann man aber auch nicht mehr so ganz in 2026. Das Wasser ist für alle da.

Gedanken drehen sich, das Telefon bleibt in der Tasche, nur hier und da ein Foto, ansonsten Wind im Haar und auch darunter. Weit, weit weg sein und doch Pläne machen. Man müsste mal, vielleicht wird es was.

Nach Tagen wieder daheim. Der heimische Geruch umfängt mich, das normale Leben hat mich wieder zurück, schön war es und wie immer viel zu kurz.

13.05.2026 - Status

Traumloser Schlaf, tief und fest. Die letzten Tag hinter sich und die Gefühle erst einmal sacken lassen. Dinge gesehen, die man nicht sehen wollte, Dinge gesagt, die man nicht sagen wollte, die Welt ist heute anders als gestern noch.


Dieser Mai ist kalt, kälter als gewohnt, kälter als gewünscht. Ich kann Kälte nicht ausstehen, zieht mich immer runter. Regen ist natürlich okay, am liebsten mit Gewitter und dunklen, schnell ziehenden Wolken. Aber Kälte ist ein ganz anderes Level. Die kann sich gerne verziehen.

07.05.2026 - Status

Blick aus dem Fenster, auf der halben Wiese eine Menge rosafarbener Blütenblätter, chaotisch verteilt vom Wind. Ein lustiger Spruch fällt mir ein, dazu der Ansatz eines zarten Lächelns. Man will ja nicht nur mürrisch sein. Es riecht nach frischem Kaffee, die Maschine arbeitet, laut zischend, brummend, ratternd. Der Himmel stark bedeckt.


In der Bahn einen Platz gefunden, es ist eng, ich höre aber nichts anderes als Musik. In den Tunnel einfahren, vorbei an Bahnhöfen, Kontrast zwischen Hell und Dunkel, ständiges Kommen und Gehen, ganz normal, wie das so ist.


Let´s take a ride and run with the dogs tonight.


Am Bildschirm: Abarbeiten. Sortieren. Ordnung herstellen. Hätte man von Anfang an ein gutes System entwickelt, man säße nicht hier und sortierte Dokumente, Daten, Schnipsel und hätte mehr Zeit. Aber wofür? Keine Ahnung. Ich bin hier nicht der Ingenieur, ich bin nur für die Inhalte da.


Die Nationalhymne wurde gesungen, davor und danach ein wenig Jazz und Reden. Keine Getränke, deswegen früher Feierabend. Spaziergang durch den Tiergarten, Ruhe und Vogelgezwitscher, entfernt der Lärm der Großstadt, näher kommend, Touristen gehen vorüber, fotografieren und ich frage mich, auf wie vielen Aufnahmen fremder Menschen man auch mich sehen kann.

Start in den Mai

was ge­blie­ben ist: blog­gen ist wei­ter­hin ein rand­phä­no­men. und das ist auch nicht wei­ter schlimm. im ge­gen­teil.

wirres.net

Das hing noch in meinen Feeds fest, weil es mir nicht so ganz aus dem Kopf ging. Und am besten ist der Gedanke daran, dass einem bloggenden Menschen (also mir) durchschnittlich Algorithmen nicht ganz so wichtig sind. Dieses ganze Aufmerksamkeitsding, das einem nur Beachtung schenkt, wenn man voll krasse Sachen macht, statt einfach nur Alltag.

Statt Lärm mag ich Ruhe, statt Algorithmen nehme ich RSS und wenn social media, dann ist mir Mastodon immer noch näher, als Bluesky. Zum Beispiel.


Deshalb hoffentlich demnächst hier auch Webmentions und so.


Selbstbeobachtung: Mit steigendem Alter bedeuten Erlebnisse mehr als Ereignisse. Vor allem der eigene Geburtstag fällt mit den Jahren nicht mehr so sehr ins Gewicht.


Jeden Tag schnell spazieren gehen, fünf Kilometer reichen schon aus. Dabei Schnappschüsse produzieren, kann man später mal schauen, wie es so aussah, im Mai.


Diese Faszination für Technik: Hardware und Software, wenn möglich recht einfach zu bedienen. Auf der anderen Seite im Terminal arbeiten, weil man sein Computerleben mit Maus und Tastatur begonnen hat und der Mensch ein Gewohnheitstier ist.