Status - 10.07.2026

Um der anhaltenden Enshittification of everything zu entfliehen, begibt sich der Protagonist in eine Sommerpause.

Status - 09.07.2026

Am Morgen durch einen Teil der alten Heimat fahren. Es sieht nicht mehr so aus wie früher, die Plattenbauten verschwinden hinter dichtem Grün, und so fühlt es sich fremd an. Und doch irgendwie heimisch. Grauer Tag mit trüben Gedanken, wird schon wieder heller werden, demnächst, im Laufe des Tages, irgendwann später.

Status - 08.07.2026

In der U-Bahn, der neben mir sitzende junge Mann schaut irgendwas auf Tik Tok und ich muss beim Hinüberlinsen - warum auch immer - irgendwie an Neovim denken und frage mich, ob der überhaupt schon mal etwas davon gehört hat oder überhaupt weiß, was ls -la bedeutet. Verrückte Verkettung von Gedanken, wahrscheinlich eine Folge einer Urlaubsüberreife.

Status - 07.07.2026

Heute mal die Kopfhöhrer vergessen, also keine Musik, dafür Geschnatter in der Bahn. Ich mag diese Geräuschkulisse nicht und deswegen blende ich sie eigentlich aus, heute leider nicht. Weniger Konzentration, dafür Ablenkung und fremde Gedanken, Unruhe durch Gesprächsfetzen, die nicht zuzuordnen sind, das Gehirn sucht die Fäden und bildet dabei ein Knäuel der Gedankenfragmente.

Status - 06.07.2026

Crunchtime vor dem Urlaub, alles scheint sich auf diesen einen Moment zu verdichten. Listen abarbeiten und den letzten dicken Brocken abräumen. Hoffentlich rollt er nicht wieder rückwärts, andere müssten ihn dann auffangen. Oder so. Noch ein paar Nachrichten schreiben, Gesagtes bekräftigen oder relativieren oder der Versuch, sich verständlicher zu machen, weil man ohnehin nicht immer sofort die richtigen Worte parat hat. Der Kaffee wird langsam kalt, möge der Tag beginnen.

European Heat Tracker

Link: European Heat Tracker

alttext-generatorIdentified screenshot content and formulated descriptive alt textIdentified screenshot content and formulated descriptive alt textScreenshot der "European Heat Tracker"-App (BETA) mit der Überschrift "Today in Europe...": Rund 208 Millionen Menschen erleben Temperaturen ab 30 °C, etwa 248 Millionen ungewöhnlich hohe Temperaturen, die Werte liegen im Schnitt +3,9 °C über dem Referenzzeitraum 1961–1990.

Der European Heat Tracker (ein Projekt des Klimadashboards) verknüpft Live-Wetterdaten mit Bevölkerungsdaten auf einem gemeinsamen Raster. Schrecklich schöne Daten, die das sichtbar machen, was man ohnehin schon spürt. Und die eine oder der andere nicht wahrhaben will.

(via eay.cc)

Hitze in Templin und nicht nur die Pflanzen leiden

Freitagabend, mit dem Auto durch die Schorfheide. Versteckte Straßen in dichten Wäldern, in deren Schatten es kühler als in der Stadt ist. Dazwischen Wiesen und Felder, die teilweise aussehen, als wäre es bereits Ende August. Vereinzelte Kastanien haben schon braune Blätter, auch den Kiefern sieht man an: Nichts ist mehr so, wie es mal war. Die Temperaturen gehen bergauf, der Rest geht bergab.

Templin, am nördlichen Ende der Schorfheide, Fachwerkhäuser und Altstadtpflaster, Seen, kleine Fließe, Wälder und Wiesen, anderthalb Stunden von Berlin entfernt und es fühlt sich schon wie Urlaub an. Am Abend an der Stadtmauer entlang, über leere Straßen, ein heißer Wind weht einem ins Gesicht, plötzlich ist da Wasser und es wird kühler, fast angenehm.

Samstagmorgen, die Sonne brennt auf die Terrasse, die Klimaanlage läuft, das Appartement verlassen und gegen eine Wand laufen. Ein paar Schritte gehen und schon läuft einem das Wasser über die Stirn. Ein Handventilator und eine Flasche Wasser sind die Notrettungsausrüstung für den Tag. Man hüpft von Schatten zu Schatten, später sitzt man am Wasser und lässt die Beine drin baumeln. Ist nur eine kleine Abkühlung, bei 39 Grad Celsius im Schatten. Kuchen gegessen und Kaffee verschmäht, das will man nicht haben.

Später mit dem Bus übers Land, auf dem Asphalt spiegelt sich die heiße Luft, ein Hauch von Wüste und Fatamorgana. Ein paar Dörfer, eine schmale Straße, am Ende eine Scheune und ein See. Musik läuft, Menschen lachen, in der Scheune ist es noch heiß, draußen bleibt die Zeit stehen oder läuft rückwärts, Richtung Kindheit, Ferienlagergetümmel, alte Freunde, neue Geschichten.

Zum Abend hin Gewitterwolken überm See, aber es kühlt sich nicht ab, zieht vorbei, irgendwo donnert es, Wind kommt auf, drei Regentropfen auf der Haut, das war es dann aber auch schon. Mücken und Bremsen greifen an, aber auch das regt einen nicht mehr auf, am Ende eines Tages, der eine Schlacht gegen die Hitze war.

Abendsee mit dunklen Gewitterwolken, am Horizont leuchtet orangefarbener Sonnenuntergang, im Vordergrund Schilfgürtel am Ufer.

Am Sonntag dann Rückkehr in den Garten. Pflanzen hängen durch, nach zwei Tagen ohne Wasser und brennender Sonne. Verbrannte Blätter, da hätte Gießen wohl auch nicht viel geholfen. Sonnenschirme für Pflanzen, eine mögliche Lösung für die Zukunft? Welche Zukunft?

Das Wochenende war perfekt, die Hitze ist es nicht. Keine Ahnung, wie das in den nächsten Jahren aussehen noch ausgehen wird. Jedenfalls nicht schön. Für niemanden.

Hitzestau zum Sommeranfang

(Und dabei wollte ich nicht mehr übers Wetter reden.)

Und wieder an der Werkbank. Niemand interessiert sich für Hitzewellen und Rekordtemperaturen, das Fließband läuft weiter, auch wenn es nur ein sehr leises ist. Ein sich ständig, wie von Geisterhand von selbst wieder auffüllendes Postfach, das einem kaum Zeit zum durchatmen lässt. Termine, Termine, Termine. Und so tippt man leise vor sich her, bewegt unsichtbare Brocken von A nach B, Textarbeit und Dokumentationen lesen. Ganz ohne Chatbots oder Token, einfache Fließbandarbeit, sitzend. (auf Mastodon, irgendwann wird man das auch mal zusammenführen)

Morgens durch den Garten streifen, es ist kühl und grün, überall blüht etwas, Bienen und Hummeln sorgen für regen Verkehr. Über Funkien nachdenken, wie sie über den Weg wachsen und die klare Form der Steine unter den dicken Blättern verschwindet. Seit Jahren nun als Gärtner unterwegs, erst widerwillig, weil all die Pflanzen so klein waren und die Struktur überhaupt nicht so aussah, wie man es sich eigentlich mal gedacht hat. Geduld lernen. Zuschauen, wie aus angedeuteten Beeten organische Strukturen wachsen, im Winter kahl und verfallen, zum Frühjahr hin anwachsend und bis zum Sommer hin dicht grün, mit Blüten durchzogen, bis zum Herbst, in dem der Garten rot und golden dem Jahresende entgegen geht.

Und so startet man den Tag, bevor alle Fenster verschlossen werden und die Jalousien den Alltag verdunkeln, damit die Hitze draußen bleibt.

Rosen

Rosenblüten an einem Strauch, die Blütenblätter mit Regentropfen bedeckt. Im Hintergrund grünes Laub und ein durch die Zweige schimmernder, rötlich-goldener Abendhimmel.

Nicht mehr übers Wetter reden

Mach ich nicht mehr, ist anstrengend. Ja, es ist heiß (gerade), ja, ein Unwetter hat in dreißig Minuten so viel Regen abgeworfen, wie sonst im ganzen Monat nicht und die Straße stand für eine Stunde unter Wasser (letzten Samstag) und so weiter.

Ich rege mich drüber auf, aber jetzt dann doch nicht mehr. Ich kann es nicht ändern, es kommt jetzt so, wie vorhergesagt, und gut ist es.

Worüber ich reden möchte, ist Klima! Ständig, dauernd, den ganzen Tag (oft). Und natürlich wurde bereits alles gesagt und manches getan. Und trotzdem geht es den Bach runter. Und die, die es interessieren sollte, machen lieber was anderes. Politik für die eigene Lobby, Politik für Menschen mit rechtsextremen Hintergrund, zaghafte Politik, ängstliche Politik.

Und ja, ich bin ja selbst nicht nur Opfer, auch Täter. Und gerade deswegen zeige ich mit dem Finger auf die Politik. Die Erdverbrennung kann nur gesellschaftlich gestoppt werden, nicht mehr individuell und im Kleinen. Das kann doch nur groß gedacht werden oder wir verbrennen, wie die Zwerge im Drachfeuer am einsamen Berg (scnr).

Und jetzt bestelle ich mir ein Balkonkraftwerk, damit die Wärmepumpe im Sommer wenigstens kostenlos kühlen kann. Nimm das, Wetter! Und Klima!